Was heute Englisch ist, war früher Latein.

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Die Römer herrschten jahrhundertelang über den gesamten Mittelmeerraum. Daher fand Verwaltung, Schule, Forschung und internationale Korrespondenz selbstverstänlich auf Latein statt. Das ist eine Basis, die nicht nur europäische Staaten untereinander verbindet, sondern auch eine Gemeinsamkeit  mit Nordafrik oder der Türkei.

 

Latein als Wiege Europas

 

Besonders in Europa treffen wir überall auf die Spuren dieser gemeinsamen römischen Vergangenheit. Gerade in der Kunst werden viele mythologische Anspielungen erst verständlich, wenn man Latein lernt.

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Die zentrale Figurengruppe im Garten der Residenz in Würzburg zeigt z.B. wie die asiatische Köngistochter Europa von Jupiter, der sich in einen weißen Stier verwandelt hat, entführt wird. Er wird sie dann übers Meer bis nach Kreta tragen, wo sie dem angrenzenden Kontinent ihren Namen geben wird.

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Auch der Sonnengott Ludwig XIV wollte zeigen, dass er die antiken Mythen kennt und ließ im Park seines Schlosses diesen Brunnen bauen, in dem sich die lykischen Bauern in Frösche verwandeln, nachdem sie der Göttin Latona verboten hatten, von ihrem Brunnen zu trinken.

 

Römische Spuren in Deutschland

 

Die Römer kamen bis nach Süddeutschland, wo man noch heute Spuren ihres Grenzwalls (Limes) und verschiedene Römerkastelle besichtigen kann.

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Aber auch in der Deutschen Sprachen, haben die Römer ihre Spuren hinterlassen. Dass viele Fachbegriffe in der Medizin (z.B. Fraktur) aus dem Lateinischen kommen, weiß jeder, aber auch in der Alltagssprache gibt es immer wieder lateinische Überbleibsel. Wenn man z.B. etwas "ad acta" (zum Getanen) legt oder etwas noch als (P.S. = post scriptum = danach geschrieben) anhängt, spürt man, wie allgegenwärtig Latein doch noch ist.

Auch die Werbung bedient sich immer wieder gern bei den Römern mit klingenden Namen wie "Nivea" (die Schneeweiße) oder Apollo-Optik (Apollo ist der Gott der Künste und der Heilkunst).

 

Latein - eine Sprache mit Systemcharakter

Latein leistet wie kein anderes Fach einen wichtigen Beitrag dazu, die Schüler zu genauem Hinsehen und zum Regelfinden zu erziehen. Viele Schüler profitieren davon auch in Deutsch, Englisch oder jeder anderen Fremdsprache.

 Infinitiv  Präsens  Imperfekt  Futur
 vide - re  vide - t  vide - ba - t  vide - bi - t
   vide - nt  vide -ba - nt  vide - bu - nt

 Stamm "vide" =

"sehen=

  t = er/sie/es

  nt = sie (Pl)

 ba = Imperfekt  bi/ bu = Futur

 

Die kleine Übersicht zeigt hoffentlich, wie Latein quasi wie aus Legosteinen zusammengebaut ist und sich die einzelnen Elemente verschieden kombinieren lassen. Eine Grunderkenntnis, die sich auf viele andere Sprachen übertragen lassen.

 

Verständnis von Fremdsprachen

Wer Latein kann, kann auch Italienisch, zumindest versteht er viel. Das zeigen folgende Beispiele an Straßenschildern:

 italienisch  lateinisch  deutsch
 lavori in corso  labores in cursu  Arbeiten im Gange
 caduta sassi  saxa cadentia  fallende Steine

 

Aber auch für Französisch (Gallien!) und Englisch (hier oft über das Französische eingeschleppt) kann Latein eine Hilfe sein:

 Latein  Französisch/ Englisch
 permittere = erlauben  permettre / to permit
 delere = zerstören  to delete
repetere = wiederholen répéter/ to repeat
 amicus = der Freund  ami

 

Latein - Tor in eine andere Welt

Was viele Schüler am Lateinunterricht schätzen, ist gerade die zeitliche Distanz. Hier können sie in eine ganz andere Welt eintauchen, in der die Welt noch besiedelt war mit Gottheiten, die damals bekannte Welt von einem Kaiser von Rom aus regiert wurde und Gladiatoren in den Arenen um ihr Leben kämpften.

Colosseum

 

Latein - ein Tor in viele andere Bereiche

Lange Zeit war alles, was geschrieben wurde, Latein. Wer etwas zu sagen hatte, wer forschte, tat das auf Latein. Entsprechend gewaltig ist die Fülle an Originaltexten, die die Schüler aus erster Hand in Bereiche führen, mit denen sie sonst wohl kaum in Kontakt gekommen wären.

Philosoph

In Caesars Kommentaren etwa erfahren wir viel über einen Spitzenpolitiker, seine Taktiken und wie er die breite Masse zu lenken versucht. Seneca stellt uns Fragen wie "Wer bin ich und wer will ich sein?", "Was macht mich wirklich glücklich?". Auch mit der Basis unseres europäischen Rechtsverständnisses kommen die Schüler in Berührung, lernen Texte kritisch zu hinterfragen und können mit ihrer Hilfe hoffentlich wertvolle Leitlinien für ihr eigenes Leben finden.