Für viele kaum noch ein Thema: Fastenzeit - ist das nicht eine völlig überholte Sache der Kirche, ein typisches Zeichen für ihre Rückständigkeit, ihre Lebens- und Leibfeindlichkeit?

Für andere allenfalls ein Anlass, (vermeintlich) überflüssige Pfunde loszuwerden, um dem allgemeinen Schönheitsideal mehr zu entsprechen.

Dennoch aber auch für manche immer noch eine Gelegenheit, verkrustete und z.T. schädliche Lebensgewohnheiten zu hinterfragen, eingefahrene Gleise zu verlassen und einen - wenn auch vielleicht nur kleinen - Neuanfang zu wagen.

Doch wir spüren: wir brauchen Zeit, bis wir eingefahrene, oft langjährige Gewohnheiten verändern. Der Griff zur Bier- oder Weinflasche, zur Keks- und Chipstüte oder auch in die Zigarettenschachtel verspricht schnelle Entspannung, Befriedigung und Trost.

Kennst du den Film: "Der Club der toten Dichter"?

Darin mahnt ein Lehrer seine Schüler beim Blick auf die Fotogalerie der Ehemaligen:

"Sie sehen kaum anders aus als Sie, nicht wahr? Aus ihren Augen strahlt Hoffmnung, wie bei Ihnen. Sie halten sich für wunderbare Dinge bestimmt, genau wie viele von Ihnen. Was wurde aus ihren Hoffnungen? Haben die meisten von ihnen nicht gewartet, bis es zu spät war, um in ihrem Leben nur ein Quentchen von dem zu verwirklichen, wessen sie fähig waren?

Sie jagten dem allmächtigen Götzen Erfolg nach - haben sie dadurch nicht die Träume ihrer Jugend verraten? Jetzt besehen die meisten dieser Gentlemen die Radieschen von unten! Doch wenn Ihr sehr nahe herangeht, Jungs, dann hört Ihr sie flüstern:

Carpe diem! Nutze den Tag! Macht etwas Ungewöhliches aus Eurem Leben!"

Natürlich: mancher Traum wird ein Traum bleiben, aber auch diese Erkenntnis kann eine Befreiung sein. Und manche Sehnsüchte sind noch unkonkret, dann lassen Sie uns auf die Suche gehen, aufmerksam und offen sein, sogar für Wunder!

Und auf einmal steht es neben dir
Und auf einmal merkst du äußerlich:
Wieviel Kummer zu dir kam,
Wieviel Freundschaft leise von dir wich,
Alles Lachen von dir nahm.

Fragst verwundert in die Tage.
Doch die Tage hallen leer.
Dann verkümmert Deine Klage...
Du fragst niemanden mehr.

Lernst es endlich, dich zu fügen,
Von den Sorgen gezähmt.
Willst dich selber nicht belügen
Und erstickst es, ws dich grämt.

Sinnlos, arm erscheint das Leben dir,
Längst zu lang ausgedehnt. - -
Und auf einmal - -: Steht es neben dir,
An dich angelehnt - -
Was?
Das, was du so lang ersehnt.

(Joachim Ringelnatz)

 

Fehler machen dürfen
und sich seine Irrtümer eingestehen,
fünfe gerade sein lassen
und die Welt zum Narren halten können,
Trauer durchstehen
und sich dadurch verwandeln lassen,
den Augenblick auskosten;
auch den bitteren,
und der Zukunft dann wieder getrost entgegensehen,
allein sein können
und sich neuen Begegnungen Öffnen,
Abschied nehmen können,
um sich der Liebe wieder neu hinzugeben,
Umwege gehen
und trotzdem
- oder gerade dadurch -
ans Ziel kommen
und eines Tages sgen können:

ICH HABE GELEBT!

(Christa Spilling-Nöker, Verlag am Eschbach)

 

 

Das LEBEN bewusster zu leben, fällt oft nicht leicht. Die Sehnsucht kann der Anfang sein, doch wer ihr folgen will, braucht eine Richtung!

Was macht mein Leben wirklich aus?

Könnte ich zehn Dinge nennen, die meinen Alltag lebenswert machen?

Eine Hilfe, um dies festzustellen, könnte darin bestehen, die eigenen Lebensgewohnheiten zu überprüfen und auch auf das eine oder andere Unnötige einmal zu verzichten.

Hierfür bieten wir allen Interessierten einen "Verzichtkalender" an! Probiert es einfach einmal aus!

Wir wünschen euch beherzte Schritte, tragfähigen Boden unter den Füßen und das eine oder andere Wagnis!

Noch bist du da
Wirf deine Angst in die Luft
Bald
Ist deine Zeit um
Bald
Wächst der Himmel
Unter dem Gras
Fallen deine Träume
Ins Nirgends
Noch duftet die Nelke
Singt die Drossel
Noch darftst du lieben
Worte verschenken
Noch bist du da
Sei was du bist
Gib was du hast

Rose Ausländer, aus: Ich höre das Herz des Oleanders, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 1984

(Quelle: Andere Zeiten - Fastenbrief)

Hubert Gehrlich, StD