FS Geo 226Kvon links: Heike Hölzlein, Bettina Titze, Andrew Garbage, Katrin Gagel, Sabine Christof, Annabell Langguth (nicht mehr am MGL), Christian Hagen.

 

„Haben Sie heute schon Geologie gebraucht?“[1]

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10B und C können diese Frage spätestens seit der Geographieexkursion am 11.Mai eindeutig beantworten. Da waren sie nämlich mit vier Geographielehrkräften im Geo-Zentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung in Windischeschenbach, wo sich das mit 9101 m derzeit tiefste Loch der Welt in hartem kristallinem Gestein befindet, und absolvierten ein ziemlich dicht gedrängtes Programm zum Thema Erde passend zum Geographie- Lehrplan der 10. Klasse.

Während die 10B vom Leiter des Geo-Zentrums, Herr Dr. Holzförster, auf die anschließende Exkursion zur Fränkischen Linie und zum „schönsten Basaltkegel Europas“, wie schon Alexander von Humbold meinte, dem Parkstein vorbereitet wurde, ging die 10C mit Frau Mack

in einen Seminarraum des GEO-Labors und bearbeitete dort das Modul Plattentektonik. In Kleingruppen puzzelten die Schülerinnen und Schüler unter anderem den Urkontinent Pangäa, sortierten die Erdplatten und bestimmten deren Bewegungsrichtung. Sie erfuhren außerdem, was in einer Subduktionszone passiert, was ein Hotspot ist und wie Falten im Gebirge entstehen.

Der nächste Programmpunkt war eine Führung durch das Besucherzentrum. Herr Kopatsch informierte uns darüber, dass man gerade in Windischeschenbach unter anderem deshalb bohrte, weil hier die Nahtstelle zweier großer Kontinentalschollen verläuft, dass diese Bohrung trotz einer seitlichen Abweichung von ca. 300 m immer noch als senkrecht bezeichnet wird und dass wir in dieser Region vermehrt Erdbeben und Vulkanismus erleben würden, wenn wir gut 10.000 – 15.000 Jahre alt werden würden. Er zeigte uns die „Potsdamer Kartoffel“, rüttelte uns auf dem Erdbebensimulator wie bei einem Beben der Stärke 5 und 7 und schilderte selbst Einzelheiten zu den Bohrungen so interessant, dass man sehr gerne zuhörte. Man hätte sich noch länger im Besucherzentrum aufhalten können, aber die Zeit drängte und wir wollten auf keinen Fall den nächsten Programmpunkt verpassen.

Denn ein weiterer Höhepunkt der Exkursion war vor allem für die Technikinteressierten die Besichtigung des 83 Meter hohen Bohrturms der größten Landbohranlage der Welt. Zuerst bekamen wir alle Helme: „Blaue für die Techniker, Gelbe für die Ingenieure und Weiße für die Wissenschaftler,“ erklärte Herr Kopatsch. Für die Besuchergruppen sind jetzt nur noch weiße und gelbe Helme da. Dann ging es los: 72 Stufen, 13 Meter hoch zur eigentlichen Bohrplattform. Viele Schüler wären natürlich gerne noch höher hinauf, und in das Bohrloch selbst hätten sie auch gerne hineingeschaut. Aber dieses Privileg genießen alleine die Mitarbeiter des Geo Forschungs Zentrums Potsdam, die für ihre Messungen Zugang zum Bohrloch haben. Aber immerhin zeigte man uns einen kurzen Film über die eigentliche Bohrtätigkeit von 1990-1994 mit allerhand technischen Details.

Von hier aus ging es schließlich in die sonnige Cafeteria, wo die Schülerinnen und Schüler ihre bestellten Brötchen bekamen oder ihre mitgebrachte Brotzeit zu Mittag essen konnten. Die 10B war mittlerweile auch von der Exkursion zurück und stärkte sich ebenfalls, bevor sie das Modul und das Besucherzentrum mit Bohrturm absolvierten.

Der letzte Programmpunkt für die 10C war schließlich die Exkursion zur Fränkischen Linie und zum Parkstein. Der erste Halt war so gewählt, dass man sehr gut die Bruchlinie zwischen variszischem Grundgebirge und Deckgebirge in der Landschaft erkennen und in der Ferne bereits den Parkstein sehen konnte, der wie ein Maulwurfshügel aus der Umgebung ragt. Dort angekommen erklärten Frau und später Herr Holzförster genau, wie man sich heute die Entstehung der charakteristischen Basaltsäulen des Parkstein vorstellt.[2] Da vor langer Zeit Felsenkeller in den Parkstein getrieben worden waren, ist man jetzt in der Lage, ins Innere eines erloschenen Vulkans zu gehen, was einige Schülerinnen und Schüler trotz Spinnen ziemlich beeindruckt hat. Anschließend holten wir die 10B vom Geo-Zentrum ab und fuhren gemeinsam nach Lichtenfels, wo wir gegen 18.00 ankamen.

Bei der Fülle der Programmpunkte war sicher für jede und jeden Exkursionsteilnehmer etwas Interessantes mit dabei, denn gerade für den Geographieunterricht bietet es sich an, gelegentlich das Klassenzimmer zu verlassen und vor Ort zu bestaunen, worüber man sonst nur theoretisch spricht. Windischeschenbach ist zwar nicht gerade um die Ecke, aber die Angebote des Geo-Zentrums sind so durchdacht vorbereitet und engagiert durchgeführt, dass Geographie bzw. Geologie dort einfach Spaß machen.

Übrigens, auch Sie haben heute schon Geologie gebraucht: nämlich in Form des Grundwassers, mit dem Sie sich die Schlämmkreide der Zahnpasta ausgespült haben, bevor Sie sie in das Waschbecken aus Kaolin gespuckt haben.

Für die Fachschaft Geographie, Sabine Christof, OStRin

 

[1]Zitat von Herr Dr. Holzförster

[2]Für Interessierte: www.vfmg-weiden.de

 

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