Frankreich1Eine aufregende Zeit liegt hinter 21 Französischlernern der Jahrgangsstufen 9, 10 und 11 des MGL, die sich dazu entschlossen hatten, am diesjährigen Austausch mit unserer französischen Partnerschule, dem Lycée René-Descartes in Cournon d’Auvergne, der Partnerstadt von Lichtenfels, teilzunehmen. Die Planungen begannen bereits im Oktober 2018, und am 17. März 2019 stieg im Lauf des Abends die Spannung, denn die französischen Gastschüler sollten bald ankommen. Nachdem der Bus mit etwas Verspätung eingetroffen war, fanden sich die jeweiligen Austauschpaare schnell, und man machte sich auf den Weg nach Hause, wo von den Gastfamilien bereits ein leckeres Abendessen vorbereitet worden war, während dessen man die corres näher kennenlernte.

Von Montag bis Freitag hatten die jungen Französinnen und Franzosen ein facettenreiches Programm vor sich. Zunächst wurden sie mit unserem Schulhaus vertraut gemacht. Während des Rundgangs fiel ihnen sofort auf, dass in den Fluren viele Schülerarbeiten ausgestellt sind, was sie in dieser Art von ihrer eigenen Schule nicht kennen. Mit dem Pausenbrot entdeckten die französischen Gäste einen weiteren Unterschied zwischen ihrem eigenen Schulalltag und dem an deutschen Schulen. Schließlich durften unsere Gäste auch erleben, wie am MGL im Unterricht gearbeitet wird, was sie sehr interessant fanden.

Um einen Eindruck von Lichtenfels zu bekommen, traf man sich am Nachmittag zu einem Spaziergang durch die Innenstadt. Bei dieser Gelegenheit berichtete OStRin Cornelia Flach von allerlei interessanten Begebenheiten, die sich in und um Lichtenfels zugetragen haben. Der Rundgang endete an der ehemaligen Synagoge, wo die Austauschschüler mitsamt ihren Lehrkräften, Madame Barelle und Monsieur Broin, vom Ersten Bürgermeister der Stadt Lichtenfels, Herrn Andreas Hügerich, warmherzig empfangen wurden und sich in das Gästebuch der Stadt Lichtenfels eintragen durften.

Da Lichtenfels den Beinamen Korbstadt trägt und mit dem Flechthandwerk eng verbunden ist, stand auch ein Flechtkurs auf dem Programm. Im Korbmuseum Michelau stellten die französischen Schülerinnen und Schüler ihr handwerkliches Geschick unter Beweis und flochten unter fachkundiger Anleitung kleine Fische, die sie als Erinnerung an ihre Zeit in Lichtenfels mit nach Hause nehmen konnten.

Weiterhin wurden Ausflüge nach Nürnberg, Coburg und Bamberg unternommen. Während in Nürnberg das Dokuzentrum besucht wurde, besichtigte man in Coburg die beeindruckende Veste, und in Bamberg imponierten v.a. das Alte Rathaus sowie der Dom.

Die Austauschwoche war aber alles andere als ein Besichtigungsmarathon. In den Abendstunden nutzten die Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien die Zeit, um sich in aller Ruhe mit ihren corres zu unterhalten, aber auch um ins Thermalbad oder auf den Staffelberg zu gehen. Dass sich alle Teilnehmer gut miteinander verstanden, war während des Abschiedsabends, der in der Aula des MGL stattfand, regelrecht zu spüren, als man gemeinsam Hits wie „Aux Champs-Elysée“ oder „Je ne parle pas français“ zum Besten gab.

Als die französische Gruppe am Samstag Morgen die Heimreise antreten musste, floss auch so manches Tränchen, denn man hatte sich schnell daran gewöhnt, dass eine Person mehr zur Familie gehörte, und die Austauschschüler hatten sich auch sehr wohl gefühlt.

Da der Gegenbesuch des MGL in Frankreich aber noch bevorstand, war der Abschied auch mit einem Gefühl der Vorfreude verbunden, und am 28. April machten sich 21 Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrkräften Frau OStRin Kerstin Moschall und Frau StRin Kathrin Will auf den Weg in die Auvergne. Obwohl die Reise anstrengend war, herrschte gute Stimmung. Es wurde gesungen, gespielt und Musik gehört, und nach gut dreizehn Stunden Fahrtzeit konnten sich die corres endlich wieder in die Arme nehmen. Gleich am ersten Abend kamen die deutschen Gäste in den Genuss eines französischen Abendessens, bei dem Baguette und Käse natürlich nicht fehlten.

Überrascht waren die Lichtenfelser, als sie am Montag Morgen mit ihren Austauschpartnern in die Schule gehen wollten. Aus Sicherheitsgründen müssen alle, die das Lycée René-Descartes betreten möchten, ein Drehkreuz passieren, um auf das Schulgelände zu gelangen, das von einem Zaun umgeben wird. Diese Maßnahme wurde infolge der Terroranschläge umgesetzt, die Frankreich in der Vergangenheit erschüttert haben. Das Schulhaus selbst, in dem etwa 1500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden, ist sehr modern gestaltet und wirkt eher kühl, zumal der vorherrschende Farbton grau ist. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter Monsieur Jayer und einem gemeinsamen Frühstück in der Schulkantine gab Madame Barelle der Gruppe einige interessante Informationen zum französischen Schulsystem. Sie ging dabei u.a. auf das zum Lycée René-Descartes gehörende Internat sowie auf das vie scolaire ein, eine Art Sekretariat, das von Schulpsychologen geleitet wird. Dort werden beispielsweise die Absenzen überprüft. Am Nachmittag durfte sich dann jeder selbst ein Bild vom Unterricht an einer französischen Schule machen, wobei für manche die letzte Stunde erst um 18 Uhr endete.

Frankreich2In den folgenden Tagen erkundete die Gruppe das Zentrum Cournons, wobei die Schülerinnen und Schüler allerhand über die Geschichte des ehemaligen Winzerdorfes erfuhren, und während der gemeinsamen Ausflüge nach Clermont-Ferrand, die Stadt mit der aus schwarzem Vulkanstein erbauten Kathedrale, und nach Lyon konnte Großstadtluft geschnuppert werden. Den atemberaubenden Blick über die Dächer Lyons wird wohl niemand so schnell vergessen, genausowenig wie die mit bunten Mosaiken verzierte Kirche Notre-Dame de Fourvière oder die engen Gassen der Altstadt und die für Lyon typischen Traboules. Das sind Fußwege, die durch private Innenhöfe führen und in der Vergangenheit von Händlern genutzt wurden, um Wegstrecken abzukürzen.

Zu einem Aufenthalt in der Auvergne gehört auch das Erklimmen des Puy de Dôme. Der Hausberg von Clermont-Ferrand ist mit seinen 1465 Metern die höchste Erhebung der mittlerweile zum Weltkulturerbe gehörenden Vulkankette der Region, und einige Gastfamilien nutzten das tolle Wetter am 1. Mai, um mit ihren Gästen aus Lichtenfels einen Ausflug auf den Gipfel zu machen. Egal, ob man zu Fuß hoch ging oder bequem mit der Bahn nach oben fuhr – alle Bergsteiger wurden mit einer faszinierenden Aussicht und einem reichhaltigen Picknick in luftiger Höhe belohnt.

Am Ende einer ereignisreichen Woche waren sich alle Schülerinnen und Schüler einig, dass die Teilnahme am Austausch ein unvergessliches Erlebnis war. Sowohl die französischen als auch die deutschen corres haben viel Neues gelernt, dabei ihre Sprachkenntnisse vertieft und erfahren, wie man im Nachbarland lebt. Kontakte wurden geknüpft, und vielleicht entwickeln sich daraus auch richtige Freundschaften.

Die Tatsache, dass internationale Beziehungen gepflegt werden müssen, wurde während des Austausches immer wieder betont. So erklärten sowohl Herr Hügerich als auch Monsieur Jayer, dass die Jugend von heute das Europa von morgen mitgestalten wird. Dies setzt voraus, dass man sich mit Offenheit und Respekt begegnet. Wir Lehrkräfte möchten mit unserem Austausch einen Grundstein legen, damit unsere Schülerinnen und Schüler ihrer Rolle gerecht werden können.

Die Fachschaft Französisch bedankt sich ganz herzlich bei allen Mitgliedern der Schulfamilie, die durch ihre Hilfsbereitschaft, ihr Verständnis und ihr Engagement zum Gelingen des diesjährigen Frankreichaustausches beigetragen haben. Besonderer Dank gilt dem Elternbeirat sowie dem Verein der Freunde und Förderer für die finanzielle Unterstützung des Austausches und natürlich den aufnehmenden Familien, die sich in hervorragender Weise um unsere jungen Gäste gekümmert haben. Ihre Gastfreundschaft wird den Jugendlichen sicherlich in guter Erinnerung bleiben.

Kathrin Will, StRin