Erschreckend und bedrückend

Buchenwald2Dies waren die ersten Eindrücke der Schülerinnen und Schüler der vier 9. Klassen, als sie zusammen mit ihren Geschichtelehrkräften das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar betraten.

Dort konnten sich alle ein Bild davon machen, welch schweres Schicksal die dort gefangen gehaltenen Regimegegner und so genannten „Untermenschen“ wie Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie Kriegsgefangene v.a. aus der Sowjetunion erleiden mussten. Durch die unsäglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lager, die inhumanen Folter- und Bestrafungsmaßnahmen und die willkürliche Ermordung von Lagerinsassen verloren bis zur Befreiung Buchenwalds im April 1945 ca. 60.000 unschuldige Menschen ihr Leben.

Diese Eindrücke zeigten uns viel deutlicher als der Geschichtsunterricht oder jedes Geschichtsbuch, wie viele Menschen von der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus besessen waren und wie viele Deutsche die propagandistischen Lügen von der „Umerziehung“ nicht hinterfragten oder dagegen protestierten, selbst wenn sie fast direkt neben dem Konzentrationslager lebten. Am Hauptbahnhof von Weimar kamen nämlich seit der Inbetriebnahme des KZ 1937 fast täglich Gefangene an. Unfassbar war für uns auch, dass die Anwohner nicht gegen die inhumane Behandlung der KZ-Insassen ihre Stimme erhoben, sondern nur forderten, die KZ-Leitung möge etwas gegen die witterungsbedingte Verbreitung der Asche der verbrannten Leichen und gegen die Seuchengefahr unternehmen.

Buchenwald1Besonders schockierend empfanden wir auch das willkürliche Foltern und Morden, das in den Einzelzellen des „Bunkers“ und der nachgebauten Genickschussanlage an der Tagesordnung war. Und dass in den Konzentrationslagern systematisch Häftlinge für „wissenschaftliche“ Zwecke (Hormonveränderungen, Organentnahmen, Experimente unter extremen Bedingungen etc.) ohne moralische Skrupel missbraucht wurden, war neu und erschreckend für uns.

In der Ausstellung, dem letzten Programmpunkt unseres Besuches, konnten wir uns über weitere Einzelschicksale informieren, und durch die Exponate wie Häftlingskleidung oder selbst gebastelte Spielsachen und vor allem durch die Fotos wurden das Leiden und Sterben im Konzentrationslager fast unmittelbar spür- und erfahrbar.

Und schließlich hat uns noch die Frage nach den Tätern (SS-Wachmannschaften und sonstiges Personal) bewegt: Wie waren damals – und leider auch heute noch weltweit – Menschen ohne Weiteres fähig, ihre Moralvorstellungen und ethische Gesinnung einfach abzustreifen und zu mitleidslosen Menschenschindern und Mördern zu werden?

Buchenwald3Für alle Schülerinnen und Schüler war der Besuch in Buchenwald eine äußerst lehrreiche Erfahrung und die erhaltenen Eindrücke werden uns Mahnung für eine humane Zukunft sein – ohne amoralische und menschenverachtende Ideologie, wie sie der Nationalsozialismus war.

(Klasse 9c, stellvertretend für die 9. Jahrgangsstufe)