13FS 1"Die Feierstunde am Montag [...] war ein Meilenstein in der Aufarbeitung der Geschichte von Lichtenfels", so ein Eintrag im Gästebuch der Lichtenfelser Synagoge.

Gerechtigkeit statt Vorschriften

Im Februar hatte man im Keller des Landratsamtes Lichtenfels einen alten Umschlag gefunden, der unter anderem 13 Führerscheine enthielt. Man hatte sie 1938 jüdischen Mitbürgern abgenommen. Landrat Christian Meißer beschloss, nach dem Geist des Rechts und nicht dem Buchstaben der Vorschriften zu handeln: Die Geschichte dieser dreizehn Menschen sollte von Jugendlichen aufgearbeitet werden. Das tat das P-Seminar Geschichte unter der Leitung von StD Karlheinz Hössel und später StD Manfred Brösamle-Lambrecht seit Nobember 2017.

01Feierstunde 5 11 76Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler sind ganz außergewöhnlich: Es gelang, die Lebensläufe derjenigen, die den Holocaust überlebt hatten, plastisch zu rekonstruieren. Die Schülerinnen und Schüler trugen in akribischer Detektivarbeit in Archiven, bei Zeitzeugenbefragungen und in spezifischer Internetrecherche Fakten und Illustrationen zusammen, die sie auf thematische Banner übertrugen. Auch zu den fünf Shoa - Opfern unter den dreizehn wurde vieles gefunden.

"A journey of a lifetime"

Hinzu kam, dass man freundschaftlichen Kontakt zu vielen Nachkommen aufbauen konnte; nicht weniger als zehn Nachfahren der dreizehn nahmen den langen Weg über den Atlantik auf sich, um an der Feierstunde zur Eröffnung der Ausstellung am 5.11. in der Sporthalle des Meranier-G
ymnasiums teilzunehmen. Für sie war es eine weite Reise, auch und vor allem innerlich.

In seinem Grußwort betonte der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Oberfranken, Leitender Oberstudiendirektor Dr. Harald 01Feierstunde 5 11 18Vorleuter die Wichtigkeit des Erinnerns und lobte das Projekt "13 Führerscheine" als beispielhaft für gelebte Erinnerungskultur.

Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold ordnete in seinem viel beachteten Impulsreferat das Projekt in die 750-jährige jüdische Geschichte von Lichtenfels ein und betonte den Wert des Projekts für die Aufarbeitung der dunklen Kapitel der Vergangenheit.

Anschließend stellten die Schülerinnen und Schüler in eindrucksvoller, persönlicher und oft sehr bewegter Weise die dreizehn Personen vor. Manch einer im Saal konnte Tränen nicht zurückhalten.

Emotionaler Höhepunkt

01Feierstunde 5 11 111Den Höhepunkt stellte die Rückgabe der Führerscheine an die anwesenden Nachkommen dar. Landrat Christian Meißner betonte, man könne erlittenes Unrecht nicht rückgängig machen. Aber die Rückgabe der Führerscheine sei ein Symbol für die Bitte um Verzeihung.

Emotionale Ruhepunkte setzte an diesem so aufwühlenden Abend StR Michael Ebert mit mehreren meisterhaften Improvisationen am Flügel.

Wanderausstellung

01Feierstunde 5 11 138Nachdem die Ausstellung schulintern gezeigt worden war, ging sie in die frühere Synagoge von Lichtenfels, wo sie seit Freitag der Öffentlichkeit zugänglich ist. Sie schließt am Donnerstag, den 15. November mit einem Werkstattgespräch ab 19.00 Uhr und kann anschließend von interessierten Institutionen und Schulen ausgeliehen werden.

Medien-Echo

Die Ausstellung und ihre Eröffnungsfeier fanden große Resonanz in Presse, Rundfunk und Fernsehen
Hier eine kleine Nachlese:

Manfred Brösamle-Lambrecht, StD