Zum Basketballspiel ins Gefängnis

Sportturnier zwischen Gymnasiasten und Häftlingen der Justizvollzugsanstalt Ebrach / Spannende Gesprächsrunde
LICHTENFELS/EBRACH. Auch im Knast spielt man Basketball. Einmal die Woche trainieren die Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ebrach und finden im Sport ihren Ausgleich zum monotonem Gefängnisalltag. Ein paar Schüler des Meranier-Gymnasiums kamen vergangene Woche in den Knast, um sich mit den Häftlingen ein spannendes Basketballspiel zu liefern. Anschließend war noch genug Zeit für ein gemeinsames Gespräch.
Das Quietschen der Schuhe auf dem Turnhallenboden, die Rufe der Sportler und die Pfeife des Schiedsrichters klingen irgendwie vertraut. Jugendliche, die miteinander Basketball spielen. Auch das nichts Besonderes. Doch eine der Mannschaften kann immer nur Heimspiele austragen, darf nie zu Gast in anderen Sporthallen sein: die Häftlinge der JVA.
Am vergangenen Donnerstag machten sich die Jungs der Schulmannschaft Basketball vom Meranier-Gymnasium auf den Weg nach Ebrach, um dort gemeinsam mit den Gefangenen einen Abend zu verbringen, der es nicht nur sportlich in sich hatte. Bereits zum zweiten Mal fand die Begegnung zwischen Schülern und Gefängnisinsassen statt. Organisiert wurde sie wie im vorherigen Jahr von Sportlehrer Wolfgang Dietz und Pfarrer Hans Lyer, der seit Jahren die Verbrecher im Jugendknast betreut und sich als Brose-Baskets-Fan um die Basketballer der JVA kümmert. Begleitet wurde die Mannschaft des MGL zudem von Sportlehrer Ulrich Hirschfelder sowie von den beiden Vertretern der Bayerischen Sportjugend, Lars Schuhmann und Bundesliga-Schiedsrichter Herbert Franke.
Im Gefängnis
Schon auf der Busfahrt spürt man die leichte Aufregung der Schüler über die bevorstehende Begegnung mit echten Schwerverbrechern. Besonders diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, fahren nicht ohne Vorbehalte nach Ebrach. „Ein bisschen nervös bin ich schon. Man kann ja nie wissen, wie Häftlinge so drauf sind”, erzählt Basketballerin Dahlia-Luna Scala, die nur als Zuschauerin am Ereignis teilnimmt.
Untergebracht in einem alten Kloster mit verzierter Fassade und hohen Türen, macht das Gebäude der JVA eigentlich nicht den Eindruck eines echten Jugendknasts. Doch beim Betreten der Räumlichkeiten wird schnell klar: Haft und Verbrechen sind hier bittere Realität. Alle Schüler und Betreuer unterziehen sich zunächst einer Taschen- und Personenkontrolle, Handys und andere digitale Speichermedien bleiben an der Pforte zurück. Danach führt der Weg zur Sporthalle durch den gesamten Jugendknast. Die Justizvollzugsbeamten in Uniform schließen Dutzende von Türen auf. Und wieder zu. Kein Gang ist offen zugänglich. Vor dem Fenster und an den Regenrinnen verhindert dicker Maschendraht einen möglichen Ausbruch. Und dann plötzlich: hinter Glasscheiben und Gittern die ersten Häftlinge. Sie stehen auf den Gängen vor ihren Zellen und beobachten die ungewohnten Gäste neugierig. „Für die Jugendlichen in der JVA ist unser Besuch eine Abwechslung vom Alltag. So hören sie was von „draußen” und haben mit jungen Leuten zu tun, die sie noch nicht kennen. Es ist ein erster Schritt in Sachen Resozialisierung in die normale Gesellschaft”, erklärt Wolfgang Dietz.
In der Sporthalle dann die nächste Überraschung. Sie ist modern gestaltet, es riecht nach Gummi, nach Schweiß, nach Sportgeräten. Ganz normal. Große, helle Fenster geben den Blick frei auf den Klosterhof und die hübschen Außenwände des alten Gebäudes. Dann tauchen sie auf: die Basketballspieler der JVA, eine bunt gemischte Gruppe junger Männer mit guter Laune. Sie geben ihren Gästen die Hand und freuen sich sichtlich über den Besuch. Auf das Basketballspiel haben sie seit Wochen hingefiebert, bemerkt einer der Häftlinge.
Wenig später wird das Spiel eröffnet. Das Schiedsgericht besteht aus Lars Schuhmacher und Hans Franke, die beide viel Erfahrung mitbringen. Die Pfeife ertönt, das Basketballturnier beginnt. Immer wieder wechselt der Ball die Seite, zahlreiche Körbe werden geworfen. „Ein super Spiel”, kommentiert Wolfgang Dietz und verfolgt aufgeregt das Geschehen. Coach Ulrich Hirschfelder gibt der Mannschaft vom Spielfeldrand aus hilfreiche Tipps.
Ohne grobe Fouls kommen die jugendlichen Spieler aus und zeigen den Zuschauern ein faires und spannendes Basketballspiel. Der Sport verbindet sie, lässt alle Vorbehalte und Ängste nach und nach in Vergessenheit geraten. „Am Anfang fragt man sich schon, was passiert, wenn man einen der Häftlinge im Spielhergang mal etwas grober erwischt. Später hab ich mir da aber gar keine Gedanken mehr gemacht”, erzählt der Elftklässler Sebastian Burgis.
40 Minuten dauert das Spiel insgesamt. In der ersten Hälfte hält die Schulmannschaft des MGL noch gut mit den durchtrainierten Häftlingen mit. Im zweiten Teil des Turniers jedoch bauen die Spieler der JVA ihre Führung aus. Sie zeigen sportliches Geschick, Zusammenhalt und Motivation. 67:51 lautete das Endergebnis und die Häftlinge gingen als glückliche Sieger vom Platz. Drei- bis viermal im Jahr finden solche Basketballspiele in der Turnhalle der Jugenvollzugsanstalt statt.
Sabrina Pensel

- Die Gymnasiasten im Gespräch mit den inhaftierten Jugendlichen