Völker-Wanderung vorbei – er ist ookumma ookumma

Heimat. Was ist das eigentlich und warum beschäftigen wir uns damit?

Ein Interview mit dem Schulleiter, Herrn Völker.

 

Wie ist die Projektwoche denn überhaupt entstanden?

Die Projektwoche ist bei einer Elternbeiratssitzung entstanden, um das Schulfest wieder attraktiver zu machen und um als Schule wieder präsent zu sein. Zu Beginn des Schuljahres wollten wir dieses mit einer Idee verbinden, die wir gut vorbereiten und deren Abschluss beziehungsweise Höhepunkt das Schulfest ist. Die Schwierigkeit war, welches Thema wir nehmen sollen. Da kam die Idee des Elternbeirats auf, Heimat als Leitthema zu nehmen.

 

Was versprechen Sie sich genau von dieser Woche?

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat, dann natürlich auch eine Stärkung der Gemeinschaft. So hat das Schuljahr neben dem fachlichen auch einen allgemeinbildenden Aspekt.

 

Sie sind also der Meinung, dass die Schüler einen großen Nutzen daraus ziehen, selbst wenn eine Woche Unterricht entfällt?

Ich würde sagen, es entfällt kein Unterricht, sondern wir halten Unterricht auf andere Weise. Im Lehrplan sind schließlich auch drei Wochen für Ideen wie Projekte, allgemeine Anliegen und fächerübergreifende Aspekte vorgesehen. Dieser Unterricht in anderer Form findet jenseits des 45-Minuten-Rythmus statt, so dass man an einer Sache auch länger dranbleiben kann und sich nicht durch ständigen Lehrerwechsel umstellen muss.

 K1600 Foto Völker

Haben Sie schon erste Eindrücke bezüglich der Projekte gesammelt?

Ich habe bereits manche Projekte besucht und einen guten Eindruck gewonnen. Die Schüler haben mit den Lehrkräften gemeinsam gearbeitet. Die Jugendlichen saßen anders als sonst und haben sich auch anders bewegt, das war schön anzusehen. Ich erhoffe mir, dass sie die eigene Heimat wieder bewusster anschauen – mit ihren Stärken und Schwächen. Auch gehört dazu, sich selbst Gedanken zu machen, was Heimat für einen bedeutet, ob es ortsbezogen ist, Verantwortung bedeutet oder mit Arbeit und Familie zusammenhängt.

 

Würden Sie unsere Schule auch als eine Art Heimat bezeichnen?

Ja, ich war hier schließlich auch Schüler und als ich nach 21 Jahren hierher versetzt wurde, bin ich quasi daheim angekommen.

 

Ist Heimat ein Thema, das Sie privat beschäftigt?

Ja, da ich viel mit Menschen zu tun habe, die Heimat suchen, nicht nur mit Asylanten, sondern auch mit Studenten aus anderen Ländern oder auch im kirchlichen Bereich. Von daher fand ich die Idee „Heimat“ sehr gut.

 

© Sophia Friedrich, Jonas Stenglein

 

 

 

Hinter den Kulissen der Organisation der Projektwoche

Ein Interview mit dem Stellvertretenden Schulleiter Herrn Gehrlich

 

Wessen Idee war es, wieder eine Projektwoche stattfinden zu lassen?

Ich habe bereits fünf große Projektwochen im Laufe meiner Schulzeit hier gemacht, aber ich wollte noch eine große Projektwoche auf die Beine stellen. Das hatte ich mir schon seit Langem vorgenommen. Diese fanden immer etwa im Abstand von sechs bis sieben Jahren statt, eine zum Thema Afrika, dann zum Thema Globalisierung und eine zum Thema Lebenslauf beziehungsweise Kenia.

 

Wie kamen Sie auf das Thema „Ookumma“ ?

Die Idee Heimat ist mir gekommen beim Lesen eines Buches, da hab ich gedacht: „Mensch, das wäre eigentlich ein gutes Thema für die Projektwoche“.

 

Haben Sie viele Helfer bei der Organisation gehabt?

Ich hatte natürlich auch Unterstützung von einzelnen Kollegen, die mir diese angeboten haben, aber das Schwierige ist, dass man viel im Kopf hat und es länger dauern würde, es jemand anderem zu erklären als es einfach selbst zu machen. Es hängt viel Arbeit in der Organisation, also zum Beispiel diese ganzen Projekt- und Klassenpläne erstellen und so weiter. Die Ideen für die Projekte stammen natürlich von den Lehrern. Ich hab‘ das Thema vorgegeben und darum gebeten, Ideen für Einzelprojekte zu finden. Zum Teil kamen sie auch von Schülern, also von der SMV. Aber ansonsten, die ganze Organisation, der Lauf, die Finanzabwicklung, bei der es auch um mehrere 1000€ geht, das liegt in meiner Hand.

 

Wie haben Ihre Kollegen auf Ihren Vorschlag, eine Projektwoche zu veranstalten, reagiert?

Alle waren eigentlich sofort begeistert. In der Schulleitung war das kein Problem, bei den Lehrern stieß es nicht bei allen auf Begeisterung, zumal der Zeitpunkt immer schwierig ist. Schöner wäre es gewesen, die Projektwoche in der vorletzten Schulwoche zu machen, aber das geht nicht, weil dann die Studienfahrten der Q11 sind. Und ich wollte unbedingt, dass die 120 Elftklässler und die zehn Lehrer dabei sind. Dadurch verkürzt sich das Schuljahr und da haben manche Lehrer gesagt, da geht so viel Schulzeit verloren. Aber ich glaube, mittlerweile scheinen alle relativ begeK1600 Foto Gehrlichistert zu sein.

 

Was wollen Sie durch die Projektwoche erreichen?

Ich will eigentlich, dass die Schüler und die Lehrer in einem anderen Rahmen zusammenarbeiten, also nicht wie im Unterricht. In der Regel steht der Lehrer vorne, der dann ansagt, was zu lernen ist und welches die Aufgaben sind. Bei der Projektarbeit hingegen, so auch bei meinem Projekt, wo die Schüler hauptsächlich selbstständig den Spendenlauf organisieren, arbeiten sie konzentriert an ihrer mehr selbstbestimmten Arbeit. Die Schüler machen einfach etwas anderes, wie zum Beispiel bei der Rekonstruktion der Burg Niesten. Das sind Dinge, die man im normalen Unterricht nicht machen kann. Und ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass es den meisten Schülern und vielen Lehrern Spaß macht.

 

Welches Projekt finden Sie am interessantesten?

Das kann ich gar nicht sagen, weil ich nur die Titel kenne und noch gar nicht weiß, was genau gemacht wird. Ich bin gespannt auf die Präsentationen am Freitag. Ich würde auch gerne mal durch die einzelnen Gruppen gehen, aber dazu bin ich leider noch nicht gekommen, weil ich bei meinem eigenen Projekt beschäftigt bin. Eigentlich wollte ich selbst gar keines übernehmen, weil ich das Gesamtprojekt koordiniere, aber irgendjemand muss sich um den Lauf kümmern und es war niemand da, der den Sponsorenlauf organisiert.

 

Nehmen Sie eigentlich auch am Sponsorenlauf teil?

Ja, selbstverständlich.

 

Warum haben Sie sich dazu entschieden, den Erlös an einen Kindergarten im Irak zu spenden?

Wir haben recherchiert, welche Projektpartner es gibt, die Projekte unterstützen, die irgendwas mit Heimat zu tun haben. Dabei ist Herr Völker, der selbst Mitglied beim ICO ist, auf dieses Projekt gestoßen. Heimkehr, so heißt dieses Motto, wo es um Heimat für vertriebene Flüchtlinge aus dem Irak geht. Wir wollen auch für einen Zweck spenden, der etwas mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Schule wäre auch noch gut gewesen, aber ein Schulprojekt haben wir nicht gefunden. Ich glaube, es passt trotzdem wunderbar in den Rahmen dieses Projekts.

 

Würden Sie die Projektwoche gerne öfters wiederholen, beispielsweise jedes Jahr?

Nein, also das ist auch von der Arbeitsbelastung her kaum zu schaffen. Es beinhaltet immens viel Zusatzbelastung und ich denke, es würde sich auch totlaufen. Wenn Schüler jedes Jahr am Ende eine Projektwoche hätten, würde der Effekt verloren gehen. Es soll schon etwas Besonderes bleiben, denn es erfordert von allen, auch von den Lehrern, viel Zusatzinitiative, die sich lange davor intensiv damit beschäftigen und Materialien sammeln. Wenn ich das jedes Jahr einfordern würde, würden viele sagen: „Das schaffe ich nicht mehr“ und auch die Schüler würden sagen: „Schon wieder Projektwoche“. Abgesehen davon bräuchte man auch jedes Jahr eine neue gute Idee. Der Abstand von sechs, sieben Jahren ist meiner Meinung nach gut.

 

© Marie Köhnlein, Celina Lips, Lisa Schütz, Valerie Steigner