Motschmann2 web„Was ist für dich Heimat?“ Mit dieser Frage begann der aus Altenkunstadt stammende Referent Andreas Motschmann seinen zweistündigen Vortag am vergangenen Dienstag. Seine Zuhörer waren die Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe des Meranier-Gymnasiums und aufgrund der anstehenden schulischen Projekttage mit dem Thema „Ookumma. Heimat und Fremde“ stand der Vortrag unter dem Motto „Heimat Bolivien – Heimat Obermain“.

Andreas Motschmann lebt seit 11 Jahren gemeinsam mit seiner von dort stammenden Frau in Bolivien und ist Lehrer an einer deutschen Schule in La Paz, deren Schülerschaft zu 95 Prozent aus Bolivianern besteht. Trotzdem fühlt er immer noch eine große Verbundenheit zur Region Obermain und konnte den Schülern anhand von Bildern von La Paz, der bolivianischen Natur, der typischen Landestracht, Volkstänzen und der deutschen Schule interessante Einblicke in sein Leben auf der anderen Halbkugel geben. Und obwohl jährlich rund 300 Deutsche an einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Bolivien teilnehmen, hatten viele Schülerinnen und Schüler nur eine grobe Vorstellung von diesem Land. Auch die Frage nach dem „Wo?“ konnte am Anfang des Vortrags nur von wenigen richtig beantwortet werden. Denn Bolivien liegt nicht, wie so mancher dachte, in Afrika, sondern in Südamerika und grenzt an Brasilien, Argentinien, Paraguay, Peru und Chile. Auch als Andreas Motschmann den Schülerinnen und Schülern ein Bild von den aus Südamerika stammenden Paranüssen zeigte, reichten die eifrigen Spekulationen von Kokosnüssen bis hin zu Granatäpfeln. Als auf der Leinwand plötzlich Bilder von süßen Äffchen und Lamas erschienen, ging ein aufgeregtes Flüstern und Raunen durch die Aula des Meranier-Gymnasiums, welches mit einem Schmunzeln und der Aufforderung „Chicos!“ von Andreas Motschmann schnell wieder zur Ruhe gebracht wurde.

Motschmann3 webSchließlich wollte ja keiner etwas von seinem interessanten Vortrag verpassen, in dem sich auch jeder aktiv beteiligen konnte und die Zuhörer mit einbezogen wurden. Auf die Frage, woher die Eltern der Schülerinnen und Schüler stammen, erkannte man aufgrund der verschiedenen Antworten, die von Frankreich, der Türkei, der Ukraine oder Mazedonien bis zu Vietnam reichten, dass Heimat für jeden etwas anderes bedeutet. Auch auf die Frage, wer von ihnen schon einige Male umgezogen ist, meldete sich ungefähr ein Drittel der Schülerinnen und Schüler. Die Frage nach der Bedeutung des Begriffes „Heimat“ ist also sehr wohl keine leichte, und die Vorschläge der Schülerinnen und Schüler am Anfang des Vortrags reichten von „Da, wo man sich wohlfühlt und akzeptiert wird“, „Da, wo meine Familie und Freunde sind und ich mich verständigen kann“ bis hin zu „Da, wo mein Bett steht“. Am Ende brachte auch Andreas Motschmann einige Vorschläge, wie man Heimat definieren kann. Eine Definition lautete „Heimat ist da, wo dein Herz ist“, welcher ein Großteil der Schülerinnen und Schüler eifrig zustimmten und die seinen Vortrag unter kräftigem Applaus abrundete.

Celina Lips, 10c