Gespraech mit Florian Walter und Theaterpaedagogin Ramona Parino klein„Lehrer sind Mörder“ - diesen provokanten Satz schreibt Lehrer Klamm mit großen Buchstaben an die Tafel. Sein Schüler Sascha hat sich erhängt, nachdem er das Abitur nicht bestanden hatte. Ein einziger Punkt im Fach Deutsch hatte ihm gefehlt, der entscheidende Punkt, den Lehrer Klamm ihm nicht hatte geben wollen.

Deutschlehrer Klamm (dargestellt von Schauspieler Florian Walter), betritt nach dem tragischen Selbstmord seines früheren Schülers eine seiner Klassen. Die Schüler hatten ihm zuvor einen Brief geschrieben, in dem sie ihn für Saschas Tod verantwortlich machen. Sie wollen nicht mehr von ihm unterrichtet werden, haben bereits bei der Schulleitung um einen anderen Lehrer gebeten. Klamm fühlt sich missverstanden und angegriffen. Er versteht den Brief der Klasse als Kriegserklärung. Den Kampf, so scheint es, nimmt er gerne auf. Er straft die Schüler mit Verachtung, benotet sie absichtlich schlecht, rechtfertigt sich für seinen bisherigen Unterrichtsstil und provoziert die Jugendlichen immer wieder durch Beleidigungen und verbale Angriffe.

Zunehmend plagen ihn Zweifel und Schuldgefühle. Wer ist verantwortlich für Saschas Tod? Wird er, Klamm, nicht von der ganzen Welt missverstanden? Macht er nicht seit Jahren den besten Unterricht? Hat er nicht alles versucht, den Schüler bestmöglich auf das Abitur vorzubereiten?

Im Laufe der Tage und Wochen nach dem Unglück fühlt er sich verfolgt, beginnt zu trinken und verliert die Kontrolle über sein Leben. Die Kollegen wenden sich von ihm ab und nach einem Zusammenbruch infolge seines Alkoholkonsums wird er schließlich suspendiert.

Ein letztes Mal tritt er vor seine Klasse, diesmal mit einer Waffe...

Am 26.06.2018 hatte die Klasse 9b nicht nur die Möglichkeit, dieses spannende Szenario live zu erleben, sie wurde sogar Teil des Theaterstückes.

Florian Walter zog die Aufmerksamkeit der Klasse beim Betreten des Raumes sofort auf sich. Seine Darstellung des Lehrers wirkte so echt und lebensnahe, dass so mancher Schüler ihn tatsächlich für eine Lehrkraft hielt, wie sich im Nachhinein herausstellte. Stetig konnte man die steigende Verzweiflung, seine Angst und seinen Zorn über das Verhalten der Klasse und der Kollegen miterleben. Er ließ die Schülerinnen und Schüler teilhaben an seinen Gedankengängen über den Tod des Jungen. Dabei verkörperte die Klasse 9b die fiktive Klasse des Stückes, sodass Florian Walter Schülerinnen und Schüler miteinbezog, einige direkt ansprach, und diese sogar aufforderte, Klassenarbeiten zu schreiben.

Gruppenbild 1kleinKaum ein Schüler konnte sich dem Stück entziehen, die Anspannung war im Klassenzimmer zu spüren. Als Lehrer Klamm schließlich aus dem Zimmer stürmte und die Waffe auf dem Pult zurück ließ, blieb auch die Klasse 9b mit einem diffusen Gefühl zurück. Aufgerüttelt von einem Theaterstück das permanent zwischen Humor und Erschütterung schwankte, begannen aufgeregte Gespräche.

Nach einer kurzen Pause, in der alle ihre Gedanken sammeln konnten, kehrte Florian Walter mit der Theaterpädagogin Ramona Parino in die Klasse zurück. Nun hatten die Schüler Gelegenheit, ihre Eindrücke zu schildern, Gedanken zu äußern und Fragen zu stellen. Bereitwillig gaben der Schauspieler und Pädagogin Auskunft. So konnte der spannende Theatervormittag gewinnbringend ausklingen.

An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal ganz herzlich bei Florian Walter und Ramona Parino mit ihrem Team für dieses einmalige Theatererlebnis.

Miriam Tischer-Arlt, StRin